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Wie wird man eigentlich Journalistin?

Wie wird man eigentlich Journalistin?

Ich bekomme auf Instagram die Frage „Wie wird man Journalist*in?“ immer wieder gestellt. Ganz ehrlich? Darauf gibt es keine klare Antwort. Der Beruf selbst ist nicht geschützt, weshalb man prinzipiell auch ohne Studium oder Ausbildung die Tätigkeit ausüben darf. Allerdings gibt es einen gesellschaftlich vorgefertigten Weg, wie man eventuell schneller an den Beruf herankommt. Ich selbst habe ihn – mit einigen Umwegen – ebenso eingeschlagen.

Mein Werdegang

Ich liebte es schon immer zu schreiben und meine Gedanken festzuhalten. Das tun viele. Das bedeutet noch lange nicht, dass man das Zeug zum Journalisten oder Journalistin hat. Lange Zeit war mir nicht klar, dass ich überhaupt gut schreiben kann. So hatte ich in der Schule immer meine Probleme mit dem starren und unkreativen Deutschunterricht. Sprachen haben mich aber sehr fasziniert und so habe ich es geliebt, wenn wir in Französisch oder Italienisch Kurzgeschichten schreiben durften. Ich habe zweimal einen Wettbewerb gewonnen und dann realisiert, dass ich das nicht so schlecht mache. Dennoch habe ich mich dazu entschlossen statt Germanistik oder Journalistik, Sprachwissenschaften bzw. Transkulturelle Kommunikation (in zwei Mutter- und drei Fremdsprachen) zu studieren. Während meines Bachelorstudiums habe ich ein Praktikum bei einem kleinen Stadtmagazin gemacht. Wiener Vielfalt hieß es damals. An meinem zweiten Tag kündigte die andere Praktikantin und so schlug ich dem Chef Nina als Ersatz vor und wir verbrachten einen ziemlich lustigen Sommer dort. Da wir neben zwei anderen Freien Redakteurinnen praktisch alleine für die Inhalte im Magazin zuständig waren, haben wir dort sehr viel gelernt. So viel sogar, dass mich das Praktikum auch anspornte mich weiter in die Richtung auszubilden. Der Chef fragte mich, ob ich nach meinem Praktikum als Freie arbeiten möchte. Ich bewarb mich im Master für Journalismus und Neue Medien an der FH Wien der WKW* und fing gleichzeitig eine Stelle als Redaktionsassistentin beim Modemagazin Flair an. An der Uni mussten wir ein Pflichtpraktikummachen und in der Zeit nahm alles einen natürlichen Lauf.

Der Blog lief gut, ich schrieb sehr viele Kolumnen, die machten offenbar die Runde. Ich wurde ab und zu von Magazinen gefragt, ob ich als Freie einen oder mehrere Artikel schreiben möchte. Ich arbeitete für eine Tageszeitung, bis mir aufging wie stressig und inkompatibel das mit meiner Stressresistenz ist. Und dann wurde ich plötzlich von Woman angefragt. Da sagt man doch nicht nein! Ich habe bei meiner Zeit dort unglaublich viel gelernt und sehr viel für mich mitgenommen. Ich habe noch tiefere Einblicke in die Branche bekommen, habe an meinem Schreibstil und meiner Stressresistenz gefeilt und dann gemerkt, dass ich momentan als Freie sehr viel besser arbeiten kann. Ich muss zugeben, dass ich nicht diesen Biss besitze, den Journalisten haben. Ich renne einer Story nicht hinterher, würde dafür auch nicht bei Minusgraden draußen herumstehen oder Menschen für Zitate auflauern. Ich bin eher jemand, der Dinge ruhig und gelassen angeht, der sich Zeit für die Geschichten und die Menschen nimmt, der auch mal Wochen an einer Geschichte arbeitet. Natürlich ist das heute kaum noch möglich, natürlich ist es ist sehr unsicher, aber das nehme ich jetzt vorerst gerne in Kauf. Derzeit schreibe ich natürlich für euch hier, aber auch für die Österreichische Textilzeitung und hin und wieder auch für andere Medien. Achja und Social Media-Betreuung mache ich auch, das schien aber kaum jemanden zu interessieren.
*Das Studium habe ich im Nachhinein aus persönlichen Gründen nicht beendet. Mir fehlte nur die Masterarbeit. Aber ihr seht, Erfahrung ist das A und O in dem Beruf.

Beruf: Journalist*in

Als Journalist*in arbeitet man für Medien. Die meisten von euch werden sich jetzt jemanden vorstellen, der sich in Kriegsgebieten vor Bomben verstecken muss, andere sehen eher Armin Wolf in der ZIB2 und andere wiederum Anne Hathaway in „Der Teufel trägt Prada“. Alles berechtigt. Viele vergessen aber, dass man als Redakteur*in sowohl für Print, als auch für Hörfunk, Radio, Fernsehen und Online arbeiten kann. Bei all diesen Medien kommen Reportagen, Kurzmeldungen, Interviews, Ratgeber uvm.  vor.

  • Fähigkeiten: Was muss man können?

Journalist*innen und Redakteure recherchieren tiefergehend über ein bestimmtes Thema und bereiten dieses für Laien in Form von längeren Artikeln (Reportagen, Interviews etc.) auf oder berichten über das Tagesgeschehen in kurzen Nachrichtenmeldungen. Hierfür ist nicht nur ein Talent für Schreiben sowie eine gute Allgemeinbildung wichtig, sondern auch ein gewisses Fachwissen für das Ressort, für das man gerne arbeiten möchte (Wirtschaft, Außen- oder Innenpolitik, Kultur, Lifestyle, Mode etc.). Einen guten Einblick ins Presse- und Urheberrecht ist ebenfalls. Früher reichte das. Heute sollte man neben Redakteur*in am besten auch noch sein eigener Lektor, Webdesigner, Grafiker, Foto- und Videograf sowie Social-Media-Manager sein. (Das liegt vor allem daran, dass viele Redaktionen nicht mehr so viel Geld haben und Angestellte daher in anderen Bereichen versiert sein sollten).

  • Ausbildung vs. Studium

Wie oben bereits erwähnt ist der Beruf ungeschützt, was so viel heißt, dass ihn jeder ohne ersichtliche Kenntnisse ausüben darf. Viele Medienhäuser legen dennoch Wert ein abgeschlossenes Studium. Dieses muss aber nicht zwingend im Bereich Journalismus sein, sondern kann auch ein Fachstudium sein (Wirtschaft bei Wirtschaftsjournalismus etc.). Es gibt aber Fachhochschulen, die Journalismus, Medien und Kommunikation in Form eines praxisorientierten Studiums anbieten. Traditionelle Universitäten bieten Studiengänge wie Journalistik, Publizistik, Medien- oder Kommunikationswissenschaft an. Man muss sich aber hierbei im Klaren sein, dass diese Studiengänge einen nur vor- und nicht für den Beruf selbst ausbilden. Entscheidet man sich für ein theoretisches Studium an einer Universität sollte man parallel dazu Praktika oder Volontariate in Redaktionen absolvieren, um so praktische Erfahrungen zu sammeln. Mehr Infos findest du hier.

  • Zukunft: Wie stehen die Chancen?

Die Zukunftsaussichten in diesem Beruf sind je nach Medium vollkommen unterschiedlich. Printmedien haben immer mehr Finazierungsschwierigkeiten. Online hingegen boomt. Aber auch hier gibt es immer wieder Finanzierungsprobleme. Online ist gratis. Wohingegen es normal ist für ein Printmedium zu bezahlen, ist es auch vollkommen normal Onlineinhalte gratis zu konsumieren (wie auch unseren Blog). Traditionelle Medien finanzieren sich primär durch Werbung, Abonnements und Einzelkäufe. Online fallen Abonnements und Einzelkäufe weg. Stattdessen gibt es Bannerwerbung, die aber auch kaum jemand sieht, weil wir alle AdBlocker aktiviert haben. Bannerwerbung läuft also nur gut, wenn es so viele Leute wie möglich sehen, was bedeutet: Mehr Klicks, mehr Views, mehr Geld. Für viele Medienhäuser heißt das dann: Quantität. Somit werden täglich unzählige Artikel produziert, über Social Media und Newsletter und und und ausgespielt und so Klicks generiert. Das heißt auch schnell und unter Zeitdruck arbeiten müssen.

  • Anstellung vs. Frei

Angestellt heißt man bekommt jeden Monat das gleiche Gehalt und geht jeden Tag 8 Stunden in die Redaktion. Leider gibt es in diesem Beruf aber kaum noch Angestelltenverhältnisse, aufgrund der oben genannten Finanzierungsschwierigkeiten. Stattdessen bedienen sich Medienhäuser immer mehr Freier Redakteure. Was zum einen bedeutet, dass man pro Auftrag bezahlt wird und zweiten, dass man vollkommen frei arbeiten kann, sowohl in der Themen- als auch in der Arbeitsplatzwahl. Frei sein ist aber finanziell sehr unsicher, da man quasi Selbstständig ist. So kann man einen Monat viele Aufträge haben und in den nächsten gar keine. Man muss sich also auch darüber im Klaren sein. Reich macht der Job nicht.

Q&A

Skills:

– Deutsch- und Fremdsprachenkenntnisse

– Allgemeinbildung

– Journalistisches Wissen: Interviewführung, Recherche, Medienrecht

Umgang mit CMS-Systemen

SEO-Kenntnisse

Fotografie, Grafik, Bildbearbeitung, Videodreh & -schnitt,

– Rhetorische Fähigkeiten

– Schreibtalent

– hohe Stressresitenz

Ich habe all eure Fragen zu fünf zusammengetragen und hier sind meine Antworten:

  1. Muss man dafür studieren oder kann man es auch über eine Ausbildung machen?
    Man muss dafür gar nicht studieren. Der Beruf ist nicht geschützt, also kann jede*r Journalist*in werden. Allerdings sehen es Arbeitgeber dennoch gerne, dass man zumindest ein Studium absolviert hat (egal welches). In erster Linie ist aber die Berufserfahrung wichtig. Fang also früh genug mit Praktika oder Volontariate an und stockt so euer Portfolio (Mappe mit Arbeitsproben) auf.
  2. Was hast du studiert?
    Ich habe im Bachelor zweimal Transkulturelle Kommunikation in zwei Muttersprachen und drei Fremdsprachen an der Uni Wien studiert. In diesem Studium schreibt man sehr viel und in vielen verschiedenen Sprachen, weil es primär darum geht Sprachen sehr gut zu beherrschen und dann übersetzen und dolmetschen zu können. Den Master Journalismus und Neue Medien an der FH Wien der WKW habe ich fast abgeschlossen (die Masterarbeit fehlt).
  3. Was das Studium schwierig? Wäre es als 2. Studium geeignet?
    Journalismus ist kein schwieriges Studium. Es ist sehr interessant, aber auch sehr zeitintensiv. Das erste Studienjahr war alles andere als „berufsbegleitend“.
  4. Wie wird man Redakteurin, wenn man noch nicht viel Berufserfahrung hat?
    Praktika und Volontariate bei Verlagen und Medienhäuser machen. So knüpft man Kontakte und stockt sein Portfolio auf.
  5. Wie hast du angefangen bzw. wie hast du auf dich aufmerksam gemacht?
    Ich habe wie jeder Praktika gemacht und als Assistentin begonnen und mich hochgearbeitet. Aber um ehrlich zu sein, war der Blog eine riesige Hilfe. Durch meine Kolumnen habe ich viel Aufmerksamkeit bekommen, die ich sonst nicht so schnell erhalten hätte.
  6. Wie bist du dazu gekommen als freie Redakteurin / Journalistin zu arbeiten? Wie kann ich das auch?
    Mittlerweile suchen Verlage ja fast nur Freie Redakteure. Man muss dafür einfach Initiativ an die Magazine schreiben: CV, Portfolio und 2-3 Story Pitches. Wenn man bereits eine fertige und nicht veröffentlichte Story hat, kann man eine Leseprobe anhängen.

Habt ihr noch Fragen? Stellt sie mir gerne in den Kommentaren 🙂

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